NACHHALTIGKEIT IM SIEBDRUCK – UNMÖGLICH ODER MACHBAR?

Als Technischer Außendienst hat sich Werner Karl, Schlee Siebdrucktechnik, Fürth, ein paar interessante Gedanken gemacht, die er an konkreten Beispielen erläutert.

Vor kurzem erhielt ich eine Kundenanfrage, was wir als Siebdruck-Fachhändler – oder generell die Siebdruckbranche – denn zum Thema sagen können, bzw. wie wir danach handeln. Um dies einigermaßen erschöpfend zu beantworten, bedarf es deutlich mehr als zwei, drei Sätze.

Vorab muss man sich generell die Frage stellen: „Was bedeutet Nachhaltigkeit?“ Nachhaltig interpretieren wir so – wir sind ja auch Bürger/Konsumenten/Verbraucher –, dass man sich in allen Belangen des Lebens und der Arbeit nachhaltig, also ressourcenschonend, verhalten sollte. Und das fängt schon z. B. mit dem „Coffee-to-go“ an. Millionen solcher Kunststoffbehälter oder beschichteter Pappbecher landen im Müll. Ist das nachhaltig? Sicher nicht. Auch der sogenannte Mehrwegbecher besteht aus Kunststoff. Warum benutzen wir nicht Porzellan? Weil viele eben einen Kaffee im Laufen genießen wollen? Genießen? Im Laufen? Würde eine Tasse Kaffee – in Ruhe getrunken – nicht viel mehr Genuss und ganz nebenbei auch mehr Lebensqualität vermitteln? Aber das nur zur vorläufigen Grundbetrachtung des Themas.

Ich greife mal aus den vielen Artikeln, die im Siebdruck eingesetzt werden, eine Handvoll heraus und versuche, sie im Licht der Nachhaltigkeit zu betrachten:

Langlebige Siebdruckrahmen

Siebdruckrahmen aus Holz erscheinen einem auf den ersten Blick als geeigneter Rohstoff, da nachwachsend und klimaneutral. Allerdings ist ein Holzrahmen alles andere als nachhaltig, denn im Verlauf der Siebherstellung, Entschichtung, Entfettung, Geisterbildentfernung und Entwicklung kommt jeweils Wasser zum Einsatz. Und Holz und Wasser vertragen sich auf Dauer nicht! Der Rahmen verzieht sich, quillt auf, ist nicht langlebig … also eben nicht nachhaltig! Aluminium-Siebdruckrahmen dagegen „leben“ bei sachgerechter Behandlung durchaus Jahrzehnte! Und sollte so ein Rahmen mal brechen, kann das Alu zu 100 % recycelt werden. Wie viele Holzrahmen kann also ein Alurahmen in Bezug auf Langlebigkeit übertrumpfen?

Vorbeschichtetes Siebdruckgewebe 

Reden wir als zweiten Punkt über die Bespannung eines Siebdruckrahmens mit Siebgewebe und die Herstellung einer druckfertigen Schablone: Man benötigt nach dem Spannvorgang Entfetter, spült mit Wasser, trocknet das Sieb, beschichtet mit Kopieremulsion oder Kapillarfilm, trocknet erneut. Nach der Benutzung eines Siebes muss die Kopieremulsion entschichtet werden, es wird mit Wasser gespült, ggf. kommt ein Geisterbildentferner zum Einsatz, und es muss schon wieder gespült werden. Ergo: Mengen an Wasserverbrauch und Arbeitszeit. Dazu benötigt man Fachpersonal, eine ganze Reihe an Chemikalien. Ist das nachhaltig? Wir Siebdrucker argumentieren ja gegenüber anderen Druckverfahren, dass unser Schablonenträger immer wieder für neue Aufträge be- und entschichtet werden kann. Aber ist das wirklich nachhaltig?

Verwendet man ein SEFAR PCF-Gewebe (pre-coated-fabric), kann man auf o. g. Chemikalien, Arbeitsschritte und Geräte verzichten. Und hat darüber hinaus immer ein perfektes neues Siebgewebe, mit top Spannung, absolut gleichmäßiger Beschichtung … und damit eine immer gleichbleibende Druckqualität. Wie viele unzulänglich hergestellte Schablonen entfallen, weil man hier auf Schweizer Qualität setzen kann? Der „break-even-point“ liegt nach unserer Erfahrung beim Rahmenformat von 1 qm, wo sich die o. g. Kosten als teurer darstellen, als der zugegeben etwas höhere Preis dieses Hightech-Materials. In der Summe ist aber eine PCF-Schablone preisgünstiger … und ressourcenschonender als eine klassische Schablone.

Wegwerfartikel Holzrührstäbchen

Jetzt ein banales, weil scheinbar kostengünstiges Werkzeug des Siebdruckers: das Holzrührstäbchen. Eingesetzt für den Ansatz einer Kopieremulsion mit Sensibilisator oder bei Druckfarbe mit ihren Zusatzmitteln wie z. B. Verdünner, Verzögerer, Härter usw. Wie bei den o. e. Holzrahmen haben wir hier Einsatz von Wasser (Reinigung Stäbchen oder wasserbasierenden Textildruckfarben) die Tatsache, dass sich Holz und Wasser auf Dauer nicht mögen. „Egal, wird eh´ weggeschmissen?“, sagen Sie? Genau! Nach einmaligem Gebrauch wegschmeißen? Hunderte oder gar Tausende Holzrührstäbe im Jahr? Ist das nachhaltig? Definitiv nicht. Und macht auch wirtschaftlich wenig Sinn. Ein einziges Farbmesser aus Metall kann hier bei ordentlichem Umgang durch jahrzehntelangen Einsatz massenhaft Holzrührstäbe ersetzen. Wenn es dann auch noch mit dem richtigen Mittel gereinigt wird, besteht auch keine Gefahr von Kontamination leistungsfähiger Kopieremulsionen und Druckfarben, die Handschweiß und Handcreme gar nicht mögen. Denn wissen Sie sicher, wer die Holzstäbchen schon in Händen hatte? Und ist das Metallfarbmesser wirklich nicht mehr nutzbar, kann es als Altmetall recycelt werden.

Werthaltige Rakel

So ähnlich verhält es sich mit den Handdruckrakeln aus Holz. Bei denen stört mich in Hinsicht auf Nachhaltigkeit der Umstand, dass deren PUR-Rakelblätter nur eingeklebt sind. Irgendwann ist das Rakelblatt durch notwendige Schleifvorgänge so kurz, dass man damit nicht mehr ordentlich drucken kann. Also: schon wieder wegschmeißen? Wieder neue Holzrakel? Nein! Alu-Handrakel ist hier die bessere Wahl, und man muss nur die PUR-Rakelblätter austauchen, wenn sie abgeschliffen sind.

Siebdruckfarbe ohne Härter 

Jetzt aber mal was Brandneues: eine Siebdruckfarbe für Glas und Metall ohne Härter! Der Farbserie MaraTech MGO von Marabu genügt ein Einbrennvorgang von 180° C (für 30 min.). Klassische keramische (anorganische) Siebdruckfarben benötigen 600° C, organische eben noch einen speziellen Härter. Beides ist hinsichtlich Energieverbrauch (Ressource!) und bei Letzteren abgelaufener Topfzeit (Restfarbe muss entsorgt werden) auch nicht als nachhaltig einzustufen. Es gibt eine ganze Reihe von Produkten, die man von keramischen auf organische Farben umstellen und dabei noch Geld sparen kann.

Diese Liste ließe sich sicher noch deutlich verlängern, was aber den Rahmen dieses Mediums sprengen würde. Wenn man aber mal angefangen hat, Werkzeuge, Verbrauchsmaterialien und seine eigene Arbeitsweise nach dem Aspekt Nachhaltigkeit zu durchdenken, kommt man auf Dinge, bei denen man sich fragen muss, warum man es nicht schon längst getan hat. 

Schreiben Sie Ihrem Siebdruck-Partner vor Ort, was Sie zu diesem Thema entdeckt haben. Denn jeder kleine Schritt ist besser als gar keiner!

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