Laserklischees bieten im industriellen Tampondruck eine reproduzierbare Qualität, kürzere Durchlaufzeiten, weniger Prozessfehler sowie eine durchgängige und filmlose Datenkette. Doch nicht jede Lasertechnologie liefert die gleiche Druckqualität und nicht jedes Klischeesystem passt zu jeder Anwendung. Entscheidend ist daher immer die Frage: Welche Lösung ist wirtschaftlich sinnvoll und erfüllt die eigenen Anforderungen bestmöglich? Unser Beitrag gibt eine praxisnahe Orientierung dazu.
Die Umstellung auf Laserklischees zahlt sich vor allem operativ aus. Gerade Unternehmen mit hoher Variantenvielfalt, häufigen Wiederholaufträgen, oder mehreren Standorten profitieren von mehr Effizienz, mehr Prozesssicherheit sowie einheitlichen Ergebnissen.
Zudem ist zu berücksichtigen, dass sowohl die Versorgung mit klassischen UV-Belichtungsquellen als auch die Verfügbarkeit chemischer Komponenten für die Filmherstellung langfristig zunehmend eingeschränkt sein werden. Darüber hinaus geraten traditionelle Prozessketten mit Film, UV-Belichtung und chemischen Hilfsstoffen immer stärker unter wirtschaftlichen und organisatorischen Druck – insbesondere im Hinblick auf Materialverfügbarkeit, Wartungsaufwand sowie Entsorgung und Umweltanforderungen.
Die Anforderungen an Auflösung, Materialvielfalt und Strukturfeinheit entscheiden maßgeblich über die Wahl des geeigneten Lasersystems. Je nach Anwendung bieten Faser-, Mopa- oder UV-Laser unterschiedliche Vorteile hinsichtlich Spotgröße, Energieeinbringung und Prozessflexibilität.
Zur Bebilderung von Laserklischees für den Tampondruck werden zunehmend klassische Beschriftungslaser eingesetzt – sei es durch die Nutzung von Faserlasern als wirtschaftlicher Einstieg oder durch die Mehrfachnutzung von bereits in Betreiben vorhandenen leistungsfähigeren Lasersystemen für andere Anwendungen.
Auch wenn sich verschiedene Klischeevarianten kostengünstig mit CO₂-Lasern gravieren lassen, reicht deren Auflösung häufig nicht aus, um die steigenden Qualitätsanforderungen im Tampondruck zuverlässig zu erfüllen. Für einfache Druckbilder und bestimmte Anwendungen kann dies dennoch ausreichend sein. Bei kleinen Schriften, feinen Details oder kontrollierten Rasterstrukturen wird jedoch die vergleichsweise große Spotgröße schnell zum begrenzenden Faktor.
Die Datenaufbereitung für den Einsatz der genannten Beschriftungslaser kann auf unterschiedliche Weise erfolgen – abhängig von Motiv, Qualitätsanforderung und gewünschter Rasterstruktur.
Für Strichmotive eignen sich idealerweise Vektordaten. Durch definierte Linien- und Schraffurabstände lässt sich die Gravur gezielt so aufbauen, dass tragende Stege und stabile Rasterstrukturen erhalten bleiben. Dadurch entsteht der bekannte Stützraster, der für die Rakelstabilität im Tampondruck von entscheidender Bedeutung ist.
Mit entsprechenden grafischen Kenntnissen und Erfahrung in der Druckvorstufe können zudem Bitmap-basierte Rasterdaten, Verläufe und Farbauszüge aufbereitet werden. So lassen sich auch komplexere Farbverläufe und feine Rastersätze realisieren. Allerdings steigen mit zunehmender Detailtiefe auch Datenmenge, Rechenaufwand und die Anforderungen an Hardware und Prozesskontrolle deutlich an.
Grundsätzlich gilt auch hier: Die erreichbare Auflösung und Feinheit der Rasterstrukturen wird maßgeblich durch den Spotdurchmesser der jeweiligen Laserquelle bestimmt. Je kleiner der Spot, desto feiner und präziser können Stützraster und Details umgesetzt werden.
Im High-End-Bereich kommen Trommellaser zum Einsatz, die aus der Flexo- und CtP-Technologie stammen. Diese Systeme werden für kleinste Schriften, hochauflösende Logos, feinste Rasterverläufe sowie für anspruchsvolle Mehrfarbenmotive eingesetzt.
Sie erreichen Auflösungen bis zu 10.000 dpi und arbeiten mit integrierten RIP-Systemen für ein sehr komfortables Datenhandling sowie präzise Rastersteuerung.
In der Praxis zeigt sich, dass das nutzbare Auflösungslimit im Tampondruck bei etwa 7.000 bis 8.000 dpi liegt. Entscheidend ist daher weniger die theoretische Maximalauflösung als vielmehr der Komfort im Workflow, die Dateien auf die entsprechenden Auflösungen, Rasterweiten und Gravurtiefen verarbeiten zu können.
Dieses System empfiehlt sich insbesondere überall dort, wo höchste und reproduzierbare Druckqualität sowie standardisierte Prozesse gefordert sind – insbesondere auch standortübergreifend. Zusätzlich profitieren Anwender vom hohen Bedienkomfort der speziell auf das Lasersystem abgestimmten RIP-Software, die eine präzise und effiziente Verarbeitung komplexer Druckdaten ermöglicht.
Ebenso entscheidend wie die Lasertechnologie, ist die Wahl des Klischeematerials, da sie die Standzeit, Farbübertragung, Rakelverhalten, Wirtschaftlichkeit und Prozessstabilität maßgeblich beeinflusst.
Beschichtete Direktgravurplatten auf Aluminiumbasis sind eine Einstiegslösung für einfache Serien und kommen vor allem bei Kurzläufern und sehr einfachen oder kleinen Druckbildern zum Einsatz. Sie lassen sich schnell und unkompliziert mit Beschriftungslasern bearbeiten und benötigen keine Nachbearbeitung.
Allerdings sind Standzeit und Druckstabilität begrenzt, weiter ist mit Schwankungen in der übertragenen Farbmenge und somit auch in der Deckkraft zu rechnen.
Zudem kann eine Umstellung der Farbviskosität erforderlich werden, da sich die klassischen Stützraster in beschichteten Direktgravurplatten nicht umsetzen lassen.
Direkt gravierbare Vollpolymerplatten erreichen heute den höchsten Anteil bei den eingesetzten Laserklischees. Durch ihre Materialeigenschaften bieten sie hohe Standzeiten, gleichmäßige Rakelbedingungen und eine verbesserte Farbübertragung durch optimierte Näpfchengeometrien. In der Praxis führt dies zu weniger Maschinenstillständen, stabileren Druckergebnissen und natürlich reduziertem Ausschuss.
Je nach erforderlicher Farbmenge und gewünschter Gravurtiefe sind diese Klischees inzwischen sogar mit laserbaren Relieftiefen bis 0,060 mm lieferbar.
Gut zu wissen: Bei den gängigen Vollpolymer-Laserklischees ist es erforderlich, dass diese vor dem Einsatz noch einmal für mind. 10 Minuten mit ca. 80-100°C temperiert werden.
Als weitere Alternative, inzwischen aber nur noch vereinzelt im Einsatz, gibt es wasserauswaschbare Photopolymer-Klischees mit Maskierschicht, die sich mittels Laser abtragen lässt. Der Belichtungsprozess bleibt dabei erhalten, wird - je nach Laserauflösung - durch die Maskierschicht aber mit entsprechender Präzision umgesetzt.
Die auf dem Klischee verbliebene Maskierschicht dient somit als Filmersatz.
Die digitale Klischeeerstellung bietet heute für nahezu jedes Anforderungsprofil im Tampondruck eine passende Lösung. Der zentrale Erfolgsfaktor ist jedoch nicht die Entscheidung für die Lasertechnologie an sich, sondern die gezielte Systemauswahl, abgestimmt auf Anwendung, Stückzahlen sowie Qualitätsanforderungen.
Wer digitale Klischeeprozesse gezielt auf die eigene Produktion abstimmt, profitiert langfristig von reproduzierbaren Ergebnissen, effizienteren Abläufen und einer zukunftssicheren Prozesskette.
Gerne prüfen wir mit Ihnen Motiv, Auflage, Farbsystem, Druckmaschine und Qualitätsziel und empfehlen daraus das passende Lasergerät, Klischeematerial sowie die geeignete digitale Prozesskette.
Autor:
Manfred Lumpp, SCHLEE Siebdrucktechnik Handels-GmbH.
Fotos:
Wir danken Herrn Jürgen Veser (Flintgroup / XSYS) und Hakan Uncu (PIP-Laser) für die Bereitstellung des Bildmateriales.