Kleben – Flock – Schutzfilm – Antirutsch
Günter Perner, KISSEL + WOLF GmbH
Warum eignet sich gerade das Siebdruckverfahren besonders fur die Herstellung von funktionalen Effekten?
Wegen der Moglichkeiten des Siebdruckes, mittels verschiedener Gewebe und der richtigen Kopierschicht, exakte Motive - auch freistehende Linien und Punkte – in exakter Schichtdicke reproduzierbar auf ein Substrat aufzubringen. Insbesondere die Moglichkeit recht hohe Schichtdicken – bis mehrere Hundert μm –aufzubringen, unterscheidet den Siebdruck von anderen Auftragstechniken.
Die in diesem Vortrag zu besprechenden Funktionalen Effekte sind:
Gemeint ist damit die selbstklebende Ausrustung von Artikeln mittels Siebdruckklebstoffen. Diese Technologie wird schon seit uber 25 Jahren eingesetzt und die Leistungsfahigkeit der Klebstoffe wurde im Laufe der Jahre den steigenden Bedurfnissen der Industrie angepasst. Heute gibt es eine grose Auswahl an Klebstoffen auf Losemittel-, Wasser- und UV-Basis, die ein breites Anwendungsspektrum abdecken. Der Klebstoffauftrag mittels Siebdruck ist ein erfolgreich integrierter Fertigungsprozess in der Industrie geworden.
Das Beflocken von Substraten ist ein Veredelungsprozess, der weniger die Optik als die Haptik anspricht. Flock muss ertastet und erfuhlt werden, um den ganzen Umfang dieses Effektes erfassen zu konnen. Beflockte Oberflachen haben, je nach verwendeter Flocksorte, eine Gleitfunktion oder eine rutschhemmende Funktion. Einfache Beispiele hierfur sind die mit kurzflorigem Polyamidflock versehenen Fensterfuhrungsprofile aus EPDM im Auto, die die Reibung der Fensterscheibe am Gummi reduzieren. Das Gegenteil wird bei der Beflockung der Griffpartien von Schraubendrehern erreicht, wo auch olverschmierte Hande Dank der griffigen Beflockung kraftvoll ansetzen konnen. Ansonsten ist das Beflocken in der Textilindustrie unter Verwendung von Flach- und Rotationsdruckmaschinen fur den Klebstoffauftrag eine ausgereifte Technik. Durch Flock veredelte Oberbekleidung und Sportswear liegt im modischen Trend.
Viele empfindliche Kunststofffolien und –teile werden durch auflaminierte, wiederabziehbare Schutzfolie wahrend der Bearbeitungsprozesse geschutzt. Bei der bestimmungsgemasen Endanwendung wird diese Folie dann abgezogen und weggeworfen. Bei vollflachiger Anwendung ist dies auch die wirtschaftlichste Methode. Sobald jedoch nur partiell geschutzt werden darf, da die ubrige Flache z.B. mit einem kratzunempfindlichen Mattlack versehen werden muss, sind als Siebdruckmedium aufgetragene „Flussige Folien“ gefragt. Es handelt sich um wassrige Produkte, die mit groberen Siebgeweben partiell aufgetragen werden und die sich nach der Trocknung wieder beliebig abziehen lassen. Die Bestandigkeit und das Abzugsverhalten hangen von der Formulierung und der aufgetragenen Schichtdicke ab. Neben der Schutzwirkung wahrend ublicher Bearbeitungs- und Veredelungsprozesse gibt es Schutzfolien, die der Maskierung von Glasoberflachen dienen, z.B. beim Sandstrahlen um ein Motiv herzustellen.
Eine rutschhemmende Ausrustung von Substraten kann durch 2 unterschiedliche Methoden erreicht werden. Zum Einen kann ein mechanisch fester Lack durch Zuschlagstoffe an der Oberflache angeraut werden, sodass ein leicht schmirgelpapierartiger Effekt erzielt wird. Alternativ dazu kann durch nur ganz leicht klebende, radiergummiartige Druckmedien ein bremsender Effekt erzielt werden. Beide Methoden sind in der Praxis zu finden.
In der Klebtechnik unterscheiden wir permanent haftende, temporar haftende und aktivierbare Klebschichten.
Permanent haftende Klebstoffe werden zur Ausrustung von Schildern, Frontblenden und optischen Anzeigen im Automobilbau, bei Haushaltsgeraten und elektronischen Geraten allgemein verwendet.
Wiederablosbare Klebstoffe finden Anwendung bei Werbeaktionen, wo die bedruckten Folien nach einiger Zeit wieder ruckstandsfrei ablosbar sein mussen und auch z.B. fur temporare Tattoos, die wieder entfernbar sind.
Aktivierbare Klebstoffe konnen durch Temperatur oder Wasser aktiviert werden. Die sog. heisssiegelbaren Klebstoffe werden bei der Creditkartenlaminierung und fur Blisterverpackungen verwendet. Feuchteaktivierbare Klebstoffe, wie wir sie von Briefmarken und Briefumschlagen her kennen, werden z.B. fur Mailings und Werbeaktionen im Siebdruck verarbeitet.
Beim Beflocken unterscheiden wir Direkt-Beflockung und Transfer-Beflockung. Bei der Direkt-Beflockung werden elektrostatisch die Flockfasern in die frisch gedruckte Klebstoffschicht eingeschossen. Nach der Trocknung halt dann das umgebende Klebstoffbett die Flockfaser gut fest. Durch die elektrische Ladung beim Einschiessen stehen die Flockfasern eng, parallel und aufrecht nebeneinander, sodass eine samtartige Oberflache erzielt wird. Die Lange und der Durchmesser der Flockfaser bedingt den Griff und die Weichheit der Beflockung. Beim Beflocken von Fusmatten werden z.B. Flockfasern von 2mm Lange und 22dtex (Gewicht in g einer 10 km langen Faser) verwendet. Durch diese grobe Faser wird ein burstenartiger Effekt bei der Turmatte hergestellt. Bei der direkten Beflockung von Oberbekleidung und Sportswear werden flexible Klebstoffe und weiche Flockfasern bis 1mm und 3,3dtex eingesetzt. Derartige Beflockungen haben einen weichen, textilen Griff und sind koch- und chemisch reinigungsbestandig.
Bei der Transfer-Beflockung mussen wir nicht mit losen Flockfasern umgehen. Es wird bereits beflocktes Papier mit Transferklebstoff bedruckt und Hotmelt-Pulver daruber gestreut. Nach dem Trocknen des Klebstoffes wird uberschussiges Hotmelt abgeburstet und das Transfer gesintert; dabei schmilzt das Hotmelt und der Klebstoff vernetzt. Anschliesend kann das Transfer bei ca. 160°C innerhalb 20sec. umgebugelt werden. Es sind ein- und mehrfarbige Motive moglich.
Siebdruckfahige, abziehbare Schutzfolien sind ein wachsender Markt. Es gibt Formulierungen mit unterschiedlicher Haftung, Flexibilitat und Einfarbung. Je nach Anwendung werden wasserempfindliche oder wasserfeste Produkte eingesetzt. Im Frontfolienbereich, wo partiell geschutzt werden mus setzten immer mehr Anwender den siebgedruckten Schutzfilm ein.
Je nach Einsatzgebiet kommen flexible oder harte Systeme zur Anwendung. Typische Beispiele hierfur sind dunne Mousepads und Countermats sowie Getrankeuntersetzer und ahnliche antiskid-ausgerustete Teile.
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